Impfverweigerer: Friedrichshain-Kreuzberg besonders von Masern betroffen

Dienstag, 3. März 2015
Pressemitteilung von: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg

Mit Stand 27.02.2015 sind in diesem Jahr für den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg insgesamt 115 Fälle gemeldet, davon 30 Verdachtsfälle mit noch ausstehender labordiagnostischer Bestätigung.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg weist seit vielen Jahren im bezirklichen Vergleich die mit Abstand schlechtesten Durchimpfungsraten nicht nur hinsichtlich der Masern auf. Dabei bestehen erhebliche Unterschiede nach der Herkunft der Kinder. Insbesondere Kinder deutscher und osteuropäischer Herkunft weisen einen unzureichenden Impfschutz auf. So ergibt sich im Vergleich von Kindern mit deutscher und türkischer Herkunft, bezogen auf die vollständige Masernimpfung, eine Differenz von ca. 10 Prozentpunkten.

Der beste Schutz vor Masern ist die präventive Impfung, die in jeder haus- oder kinderärztlichen Praxis angeboten wird. Der Bezirk unterstützt daher ausdrücklich diese Form der Prävention.

Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin und Stadträtin für Jugend und Gesundheit: "Wir beobachten die steigende Zahl von Masern-Infektionen mit großer Sorge. Nach Abwägungen aller Argumente pro oder contra einer Impfung möchte ich Eltern empfehlen, ihre Kinder frühzeitig gegen Masern impfen zu lassen. Das dient nicht nur zum Schutz der eigenen Kinder sondern auch dazu, dass etwa Kleinkindern, die noch nicht geimpft werden dürfen, schwerwiegende Folge-Erkrankungen erspart bleiben."

 

Wie wird das Gesundheitsamt tätig?

Masern sind eine meldepflichtige Erkrankung. Das Gesundheitsamt wird unverzüglich tätig, sofern eine Meldung über den Verdacht oder die Erkrankung vorliegt. Es wird umgehend telefonischer oder persönlicher Kontakt zu den Erkrankten oder Sorgeberechtigten aufgenommen. Befinden sich darunter Kontakte in Gemeinschaftseinrichtungen wird durch das Gesundheitsamt in Zusammenarbeit mit den Einrichtungen der Impfstatus aller Kontaktpersonen (Schulklasse, Kindergarten) erfasst. Kontaktpersonen ohne Impfschutz oder ohne anzunehmende Immunität gelten als ansteckungsverdächtig und erhalten ein Besuchsverbot für Gemeinschaftseinrichtungen (Schüler/-innen, Lehrer/-innen, Kindergartenkinder). Es werden Infoblätter zur Verfügung gestellt. Die Eltern erhalten bei Bedarf eine telefonische oder persönliche Beratung. Alle anderen Kontaktpersonen werden telefonisch oder schriftlich über die Erkrankung aufgeklärt und gebeten, ihren Impfstatus zu prüfen.

 

Eine hohe Durchimpfungsrate in der Bevölkerung (WHO-Ziel: 95 %) schützt auch die Personen, die altersbedingt (Kinder unter 9 Monaten), aufgrund einer Schwangerschaft oder einer chronischen Erkrankung nicht geimpft werden können. Im Rahmen der gerade auch in Friedrichshain-Kreuzberg z. T. kontrovers geführten Diskussion um die Notwendigkeit einer vorbeugenden Masernimpfung sollte daher auch die Relevanz hinsichtlich der gesellschaftlich und politisch forcierten Bestrebungen Berücksichtigung finden, die inklusive Betreuung von behinderten und chronisch kranken Kindern in Kitas und Schulen weiter voranzutreiben.

 

Was und wie gefährlich sind Masern?

Masern sind eine durch Viren hervorgerufene Erkrankung mit sehr hoher Ansteckungsfähigkeit.

Das Masernvirus führt bereits bei kurzer Exposition (Sprechen, Husten, Niesen, Kontakt mit Sekreten aus Nase und Rachen) zu einer Infektion und löst bei über 95 % der ungeschützten Infizierten klinische Erscheinungen aus. Gesundheitliche Folgen können im schlimmsten Falle z. B. bakterielle Superinfektionen und Enzephalitiden sein.

 

Welche Kontraindikationen bestehen?

Geimpft werden sollte nicht bei bekannter Schwangerschaft, Kindern unter 9 Monaten, akuter schwerer Erkrankung, angeborenen oder erworbenen Immundefekten (Vor der Impfung den behandelnden Arzt konsultieren!).

 

Nähere Informationen zum Thema Masererkrankungen im Bezirk erhalten Sie durch das Gesundheitsamt Friedrichshain-Kreuzberg, Tel.: (030) 90298 -8319.