Akut-Bedarfsliste für Betreiber von Notunterkünften

Freitag, 13. November 2015
Pressemitteilung von: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg

Viele Betreiber von Notunterkünften (NUK) stehen aktuell zum ersten Mal vor der Herausforderung, binnen weniger Stunden mehrere Hundert Menschen versorgen zu müssen. Nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen möchten wir mit dieser Handreichung die ersten Schritte beim Betrieb einer NUK erleichtern helfen. Die Zahlen beziehen sich auf eine durchschnittliche Belegungsgröße von 150-200 Personen. Und dienen der ersten Woche, die dann auch eigenständig ergänzt werden sollte und den jeweiligen Bedingungen vor Ort angepasst wird.

Es empfiehlt sich zu Beginn bereits folgende Piktogramme (6-spachig) zur Nutzung der Halle, sofern noch keine Hausordnung besteht, in den jeweiligen Bereichen an- und auszuhängen:

https://drive.google.com/file/d/0B-u7NGbww7F1WmlfaGVuMkRXLVU/view?pli=1

Nahrungsmittelversorgung

Da viele der geflüchteten Menschen aus arabischsprachigen Ländern stammen, empfiehlt es sich, Nahrungsmittel zu kaufen (Halal), die bereits eine Liste der Inhaltsstoffe in der arabischen Sprache auf der Verpackung aufgedruckt haben. Vor allem türkische Großsupermärkte (Euro-Gida (etwa Wrangelstraße 85, Kreuzberg mit Filialen in Schöneberg, Spandau, Wedding, …; http://www.eurogida.de/de/filialen.php; Öz-Gida, Hauptstraße 16, Schöneberg, http://www.ozgida.de/;) bieten ein reichhaltiges Sortiment.

Rufen Sie die Marktleitung im Vorfeld an, die Damen und Herren sind bei der Zusammenstellung behilflich und sehr zuvorkommend.

Hier eine Liste, was Sie für die Erstversorgung unbedingt brauchen:

Lebensmittel:

  • Mindestens 1,5 Liter stilles Wasser pro Person
  • Salzhaltige Snacks (Chips, Kekse ohne Schokolade, Salzstangen,…)
  • Zwieback
  • Tee (Schwarz)
  • löslicher Kaffee
  • Bananen, Orangen, Zitrusfrüchte
  • Fladenbrot (geschnitten, geteilt)
  • Feta-Käse
  • Zucker (nicht lose, Würfelzucker)
  • Energieriegel
  • Abgepackte Kuchenstücke
  • Haltbare Milch
  • Milchpulver
  • Babynahrung im Gläschen
  • Viele Plastikbecher (in der Regel gibt es keine Spülmöglichkeiten)

Bitte kein(e)

  • Kräutertee
  • Fleischprodukte (könnte Schweinefleisch enthalten)
  • Keine Süßigkeiten, die Gelatine enthalten könnten
  • Keine süßen Limonaden oder Säfte
  • Grundsätzlich nichts, was schwer im Magen liegt

Sanitär- und Medizinbedarf:

  • Duschgel
  • Zahnbürsten
  • Zahnpasta
  • Deo m/f
  • Toilettenpapier (oft an Schulen nicht ausreichend vorhanden)
  • Windeln in mehreren Größen (2-4)
  • Feuchttücher für Babys
  • Damenbinden (keine Tampons)
  • Kämme (m/f)
  • Nagelknipser oder Feilen ohne Spitze (Einwegfeilen)
  • Flüssige Handseife in Spendern
  • Hand-Desinfektion in Spendern (Essensausgabe, nach Besuch von Dixi-WCs, …)
  • Küchenrolle
  • Rezeptfreie Tabletten gegen Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Hustensaft
  • Pflaster/Verbände
  • Rasierer, Rasierschaum
  • Shampoo
  • Handtücher
  • Hand-Waschmittel in der Tube

Für Sauberkeit und Hygiene:

  • Mülleimer mit Schwingdeckel für alle (!) WCs
  • Mehrere Stand-Mülleimer (Essensausgabe, Eingangsbereich, …)
  • Große Mülltüten (mind. 70 l)
  • Mehrere Besen und Handfeger
  • Große Abzieher für Dusch-Bereiche
  • Desinfektionsmittel für Duschbereiche
  • Neutralreiniger
  • Kalkreiniger für Waschbecken/Duschen
  • Wischtücher
  • Wischmops (min. 2) und Eimer
  • Gastro-Steh-Aschenbecher für Eingangsbereich (2)

Technik:

  • Verlängerungskabel und mehrere Dreifachstecker für Aufladen von Handys
  • Heißwasser-Kocher mind. 20 l (für Tee, Babynahrung)
  • Größere Plastik-Behälter für trockene Lebensmittel, Bananen, etc.
  • Taschenlampen
  • Leuchtwesten für Mitarbeiter (Betreiber, Ehrenamtliche, Security)
  • Paketband, Panzerband, Klebefilm
  • Papier und Reihe von Textmarkern/Filzstiften für Hinweisschilder (WC, Büro, etc.)
  • Handreichungen/Informationen zum Verfahren der Registrierung/ Ansprechbarkeiten der Heimleitung

Es empfiehlt sich gleich zu Beginn Refugee-Guides in 6 Sprachen auch zur Vororientierung vorrätig zu haben: Dieser ist abrufbar unter folgendem Link:

Zudem sollte seitens des Betreibers für die ehrenamtliche Unterstützung ein konkreter Ansprechpartner/-in für die ehrenamtliche Unterstützung durch Anwohnende oder bereits bestehende Unterstützungskreise benannt werden. Dabei empfiehlt es sich auf soziale Netzwerke zurückzugreifen und unmittelbar eine Kontaktmailadresse einzurichten und ggf. eine telefonische Rückmeldemöglichkeit.

Gerade in Großunterkünften/Turnhallen wäre vor Ankunft der Menschen eine gewisse Sicherstellung von Privatsphäre herzustellen. Dies kann durch mobile Lösungen erreicht werden. So unter anderem durch Moltonstoff (Theaterstoff, feuerfest) mit einem mobilen Stangensystem zwischen den Betten oder Gartenpavillons mit Seitenteilen. Sowie der Abtrennung von Familien- und Frauenbereichen mit allein reisenden Männern.