Grünes Licht für Baumarkt an der Yorckstraße

Donnerstag, 28. Februar 2013
Pressemitteilung von: Grüne Friedrichshain-Kreuzberg

Das Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksparlament hat am Mittwochabend mit den Stimmen der Grünen das Bauvorhaben der Baumarktkette Hellweg an der Yorckstraße verabschiedet. Der Entscheidung waren Zugeständnisse des Investors vorausgegangen. Bürgermeister Schulz und Grünen-Fraktionssprecherin Riester sprechen angesichts eines abgewendeten Hochhausbaus von einer „guten Kompromisslösung“. 

Mit den Stimmen der Piraten und der CDU und gegen die Stimmen der SPD haben die Grünen am Mittwochabend dem Bauvorhaben der Firma Hellweg an der Kreuzberger Yorckstraße grünes Licht erteilt. Die Pläne für die Brache zwischen dem neu entstehenden Gleispark, dem Park am Gleisdreieck und der Yorckstraße wurden über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren diskutiert und entwickelt. Nun steht fest, dass der Baumarkt kommen wird – und zwar noch in diesem Sommer. 

„Natürlich hätten wir auf dem Grundstück am liebsten einen Park, höchstens eine spärliche Bebauung gesehen“, sagt Bürgermeister Franz Schulz (Grüne). „Aber die vertragsrechtlichen Voraussetzungen für das Grundstück lassen das nicht zu. Was wir jetzt erreicht haben, ist eine gute Kompromisslösung.“ Der Investor habe während der Verhandlungen großes Entgegenkommen gezeigt, unter anderem durch den Bau und die Instandhaltung eines Sportplatzes auf dem Dach und die Versetzung des Gebäudes weiter ins Grundstückinnere. 

„Wir sind nicht glücklich damit, einem Baumarkt die Zusage zu erteilen. Leider sind wir aber nicht bei ‚Wünsch dir was‘ - sonst würde ich mir einen Park wünschen“, sagt Grünen-Fraktionssprecherin Paula Riester. „Ein Baumarkt ist an der Stelle einfach das kleinere Übel, denn das geltende Baurecht erlaubt weitaus Schlimmeres, zum Beispiel ein Hochhaus.“ Durch den Flachbau blieben Licht- und Luftzufuhr vom Park erhalten, der Straßenlärm würde weniger stark reflektiert.

Zum Hintergrund
Der Rahmenvertrag, der 2005 zwischen Senat, Bezirksamt und der ehemaligen Eigentümerin Vivico für das Grundstück geschlossen wurde, ermöglicht eine deutlich höhere Baumasse, als Hellweg sie jetzt plant. Dieser Vertrag sieht die Bebauungsdichte eines Kerngebietes vor. Das würde bedeuten, dass auch Hochhäuser möglich wären. Der von Hellweg geplante Flachbau hingegen erhält sowohl die Sichtachse von Gleisdreieckpark Richtung Süden als auch die bestehende Frischluftschneise. Auch reflektiert er den Schall des Straßenlärms wesentlich weniger, als es ein hoher Büro- oder Wohnriegel täte. 

Eine Wohnbebauung ist an dieser Stelle aber auch deswegen nicht vorstellbar, weil die Lärmbelastung - zwei S- und ICE-Bahntrassen und die extrem laute Yorckstraße begrenzen das Grundstück - dies nicht zulässt. Dies haben Fachleute der Senatsverwaltung schon bei den Planungen 2005 festgestellt. Deshalb wurde dieses Areal nicht als Mischgebiet (welches Wohnen zulässt), sondern als Kerngebiet (größtenteils Gewerbenutzung) vorgesehen. 

Hellweg plant zudem, auf dem Baumarktdach einen Sportplatz zu bauen und für einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren zu unterhalten und instand zu setzen. Auf diesem sollen Jugendliche aus beiden angrenzenden Bezirken trainieren können. Ein Sportplatz war schon in der Ursprungsplanung für das Gleisdreieck auf der Höhe der Kleingärten vorgesehen. Die Verlegung auf das Baumarktdach ist insofern eine gelungene Lösung, als andernfalls die Kleingärten – die letzten in Kreuzberg – dem Sportplatz zum Opfer gefallen wären. 

Kurz vor einer Einigung hatte die SPD, die die Planungen für den Baumarkt jahrelang mitgetragen hatte, plötzlich den Wunsch geäußert, an der Stelle Wohnbebauung anzusiedeln. Daraufhin war die Thematik auf einer gut besuchten Bürgerveranstaltung ausgiebig diskutiert worden. Dort wurde deutlich, dass die Mehrzahl der Anwesenden, darunter viele Anwohner, aus den genannten Gründen eine Wohnbebauung ablehnt. 
Dem mehrfach bei der Bürgerveranstaltung geäußerten Wunsch, den Bau mehrere Meter von der Yorckstraße entfernt ins Grundstücksinnere anzusiedeln, hat der Investor inzwischen entsprochen. 

Neben dem federführenden Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist auch Tempelhof-Schöneberg mit dem Thema betraut.