Senat schlägt Karl-Marx-Allee für die neue UNESCO-Liste vor

Di, 31/07/2012 - 14:23

Berlin meldet neben dem Jüdischen Friedhof Weißensee mit „Städtebau im geteilten Berlin“ einen weiteren Vorschlag für die neue UNESCO-Liste als Weltkulturerbe an. Darauf hat sich der Senat am Dienstag auf Vorschlag des Senators für Stadtentwicklung und Umwelt, Michael Müller, verständigt.

Für das jetzt zunächst beginnende bundesweite Evaluierungsverfahren sind die Bundesländer aufgefordert, bis zum 31. Juli 2012 Vorschläge für mögliche neue Kultur- oder Naturerbestätten für die Welterbeliste der UNESCO einzureichen. Alle Bundesländer können zwei Vorschläge benennen. Nach Ablauf der Frist vom 31. Juli 2012 gibt es ohne neuen Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) absehbar keine weitere Option mehr zur Nachnominierung. Die jetzige Nominierung ist die Voraussetzung dafür, dass - nach der bundesweiten Evaluierung - dann 2014 auf Ebene der KMK entschieden wird, welche deutschen Vorschläge auf die sogenannte UNESCO-Tentativliste gesetzt werden, was dann wiederum die Voraussetzung für einen offiziellen Antrag auf Aufnahme in die Welterbeliste ist.

Senator Müller: „Ich freue mich, dass Berlin sich dazu bekennt, zwei herausragende Nominierungen für die nationale UNESCO-Weltkulturerbeliste vorzuschlagen. Ich bin überzeugt, dass trotz großer innerdeutscher Konkurrenz die Berliner Vorschläge wegen ihrer besonderen Einzigartigkeit gute Chancen haben, sich im weiteren Auswahlverfahren durchsetzen zu können. Ich freue mich besonders, dass wir den durch ein starkes bürgerschaftliches Engagement entstandenen Vorschlag Hansaviertel und Karl-Marx-Allee als Nominierung mit aufnehmen konnten.“

Jüdischer Friedhof Weißensee
Bereits am 3. Juli 2012 hat der Senat von Berlin beschlossen, den Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee an die Kultusministerkonferenz zur Aufnahme auf die deutsche Tentativliste für das UNESCO-Weltkulturerbe zu melden. Er stellt in seiner Größe, Anlage und Gestaltung ein einzigartiges Zeugnis jüdischer Grabmalskunst dar und ist zugleich ein außergewöhnliches Zeichen für die Reform jüdischer Bestattungskultur im 19. Jahrhundert. Mit der Nominierung jüdischen Kulturerbes steht Berlin nicht allein: In Deutschland wird eine Reihe von Welterbeinitiativen zu Denkmalen der jüdischen Kultur bzw. Friedhofskultur vorbereitet (Speyer/Worms/Mainz, Erfurt, Hamburg-Altona etc.), sodass auch ein gemeinsamer sogenannter serieller Antrag denkbar ist.

Städtebau und Architektur – zwei konträre Modelle in der geteilten Stadt
Der zweite Vorschlag ist das Ergebnis eines starken Engagements interessierter Bürgerinnen und Bürger sowie Initiativen, die sich dem Erhalt des baukulturellen Erbes der Stadt verpflichtet fühlen. Damit soll Berlin als einmaliger Ort zweier konträrer städtebaulich-urbaner Modelle in einer geteilten Stadt herausgestellt werden. Als Beispiele für das städtebauliche Thema Konfrontation und Dialog im geteilten Berlin bezeugen das Hansaviertel und die Karl-Marx-Allee die Konkurrenz der Gesellschaftssysteme und belegen den Wettstreit in Architektur und Städtebau.