Gemeindedolmetscher sind gefragt - 5. Seniorenkonferenz im Bezirk

Di, 06/11/2012 - 14:16

Es ist eine kommunalpolitische Herausforderung, älteren Menschen die notwendige Information und Unterstützung anzubieten, um in Würde alt werden zu können.“ so Monika Herrmann, Bezirksstadträtin für Familie, Gesundheit, Kultur und Bildung in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg.

Herrmann weiter: „Insbesondere Menschen, deren Familienwurzeln fern von hier liegen, haben im Umgang mit Ärzten, Kliniken und Pflegestützpunkten nicht nur ein sprachliches Verständigungsproblem, sondern sind mit den Strukturen des hiesigen Gesundheitssystems oft nicht ausreichend vertraut.“
 
Hinzu kommt der wachsende Druck, die eigene Wohnung im Heimatbezirk Friedrichshain – Kreuzberg verlassen zu müssen, weil die Grundsicherung die Mietkosten nicht mehr abdeckt. Mitarbeiter des Gesundheitsamtes müssen aufgrund einer neuen Ausführungsvorschrift im Einzelfall klären, ob alten, behinderten oder kranken Menschen ein Umzug in eine kostengünstigere Wohnung zuzumuten ist. Selbst wenn Betroffene im Fall eines erzwungenen Wegzugs nach Marzahn - Hellersdorf oder Spandau anfänglich noch ihre sozialen Kontakte halten können, gelingt ihnen dies mit einsetzender Immobilität immer weniger. Dann ist es allerdings häufig zu spät, neue soziale Kontakte aufzubauen. Isolation und psychische Erkrankungen drohen nicht nur, sondern sind Realität, insbesondere für sozial benachteiligte Ältere, für alleinstehende, hochbetagte, weibliche Personen sowie Menschen, die in anderen Ländern und Kulturen sozialisiert worden sind.
 
Das Bezirksamt Friedrichshain – Kreuzberg hatte am 31.10.2012 zur 5. Seniorenkonferenz eingeladen, die in diesem Jahr im Rahmen der interkulturellen Veranstaltungswochen „Interkreuzhain“ stattfand.
 
Der Einladung sind in diesem Jahr etwa 150 Seniorinnen und Senioren unterschiedlicher Herkunftsländer und Kulturen gefolgt. Unter dem Motto „Mit Kommunalpolitik ins Gespräch kommen“ wandten sie sich mit ihren Themen an die politisch Verantwortlichen und Fachleute. Moderierte Diskussionsgruppen mit Dolmetschern ermutigten viele ältere Menschen, ihre Probleme auszusprechen. Zu den Themen Sicherheit im Öffentlichen Raum, Armut und Wohnen und Gesundheit und Pflege diskutierten sie mit dem Bezirksbürgermeister Herrn Dr. Franz Schulz, Frau Monika Herrmann – Bezirksstadträtin für Familie, Gesundheit, Kultur und Bildung, Herrn Knut Mildner-Spindler – Bezirksstadtrat für Soziales, Beschäftigung und Bürgerdienste und Herrn Dr. Peter Beckers – Bezirksstadtrat für Wirtschaft, Ordnung, Schule und Sport.
 
Themen waren u. a. falsche Bewertungen der Pflegestufen aufgrund mangelndem Sprachverständnis und unzureichender Kenntnis des Gesundheitssystems, Angst vor Ämtern, der Wunsch nach einem Beratungsführer Gesundheit/ Pflege in verschiedenen Sprachen, der Bedarf an muttersprachlichen Psychotherapeuten und Gemeindedolmetschern.
 
 „Wir benötigen dringend feste Jobs für Gemeindedolmetscher. Eine unsichere Förderung über Projekte oder das JobCenter gewährleisten keine Kontinuität in der Kommunikation zwischen älteren Bürgern und Mitarbeitern der Gesundheitsdienste und Gesundheitseinrichtungen.“ so Monika Herrmann.
 
Soziale Netzwerke, sprachliche und kulturelle Verständigung mit Ärzten, Kliniken und Pflegediensten, Nähe zu Familienangehörigen und Freunden sowie Nachbarschaftshilfe und soziale Kontakte sind der beste Schutz vor Krankheit und sozialer Isolation - nicht nur im Alter.

Bezirksstadträtin Monika Herrmann auf der 5. Seniorenkonferenz